Debatte um Goldreserven: „Holt unser Gold heim!“

Österreichs Goldreserven // Bildnachweis: Mit freundlicher Genehmigung © Österreichische Nationalbank

 So einfach geht es nicht …

Deutschlands Goldreserven zählen zu den größten der Welt – nach den USA belegt die Bundesrepublik mit rund 3.375 Tonnen den zweiten Platz im globalen Edelmetall-Ranking. Der aktuelle Marktwert: über 280 Milliarden Euro. Doch ein Teil dieses Goldes befindet sich nicht in deutschen Tresoren, sondern liegt ausgerechnet bei der US-Notenbank in New York. Und genau das sorgt nun für Diskussionen.

Gold im Ausland – sinnvoll oder fahrlässig?

Rund 37 Prozent der deutschen Goldreserven – das entspricht etwa 1.250 Tonnen – lagern in den USA. Offiziell, um bei Bedarf schnell Dollarreserven zu mobilisieren. Die Österreicher haben dieses Problem nicht, ihr Gold lagert hauptsächlich in Wien und zu rund 30 Prozent in der Schweiz sowie zu rund 20 Prozent in London.

In Deutschland wächst angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und der innenpolitischen Unsicherheiten in den Vereinigten Staaten der Unmut. Viele fragen sich:

  • Kann man der US-Regierung unter Donald Trump wirklich noch trauen?
  • Was passiert, wenn die USA im Krisenfall das Gold blockieren?
  • Und: Warum lagert der Goldschatz überhaupt außerhalb deutscher Grenzen?

Verunsicherung durch Trump und Musk

Das US Gold Bullion Depository in Fort Knox
Das US Gold Bullion Depository in Fort Knox // Bildnachweis: gemeinfrei

Die Sorge kommt nicht von ungefähr. US-Präsident Donald Trump und sein Vertrauter Elon Musk äußerten öffentlich Zweifel an der Existenz der amerikanischen Goldreserven in Fort Knox.

Wenn die eigenen Bestände schon in Frage gestellt werden – wie sicher sind dann ausländische Barren?

Zweifel an der Fed: Gold nur auf dem Papier?

Die Federal Reserve gilt traditionell als zuverlässiger Partner. Doch jüngste Äußerungen aus Washington lassen Zweifel aufkommen. Wird das Gold im Auftrag Deutschlands dort wirklich sachgerecht gelagert? Oder existieren manche Barren vielleicht nur auf dem Papier?

Forderung: Heimholung des Goldes jetzt!

Michael Jäger vom Europäischen Steuerzahlerbund bringt es in der BILD-Zeitung auf den Punkt: „In Krisenzeiten braucht Deutschland direkten Zugriff auf seine Goldreserven. Und zwar ohne Umwege über den Atlantik.“

Seine Forderung:

  • Sofortige Rückholung des Goldes aus New York
  • Physische Prüfung jedes einzelnen Barrens
  • Lagerung ausschließlich in Deutschland oder zumindest in Europa

Unterstützung aus der Politik

Auch CDU-Politiker Marco Wanderwitz und CSU-Mann Markus Ferber schließen sich der Forderung an. Beide mahnen regelmäßige Kontrollen und volle Transparenz an. Ferber betont: „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!“

Was sagt die Bundesbank?

Die Deutsche Bundesbank hingegen bleibt gelassen. Präsident Joachim Nagel erklärte, man habe „vollstes Vertrauen“ in die US-Notenbank. Die Lagerung in New York sei sicher, effizient – und strategisch sinnvoll. Ein kompletter Rückzug aus den USA ist nicht geplant.

Rückblick: Das Gold-Rückholprogramm von 2013 bis 2017

Bereits einmal gab es eine große Rückführungsaktion. Nach öffentlichem Druck und politischem Vorstoß holte die Bundesbank 674 Tonnen Gold aus New York und Paris zurück nach Frankfurt. Die Aktion war auf fünf Jahre angesetzt, aber nach vier Jahren abgeschlossen und kostete 7,7 Millionen Euro für Transport und Versicherung.

Zurückgeholt wurden dabei 54.000 Goldbarren mit je 12,5 Kilogramm. Also jene 400-Unzen Good-Delivery-Barren, die Staaten, Banken und Großanlegern für Ihre Goldreserven nutzen und die Art von Goldbarren, wie man sie aus Filmen kennt:

C.Hafner 400 Unzen | Goldbarren 1.141.856,90 

Gründe für die Lagerung im Ausland

Die Bundesbank sieht weiterhin Vorteile darin, Teile der Goldreserven im Ausland zu lassen:

  • Schneller Zugriff auf Dollar- oder Pfundreserven im Krisenfall
  • Lagerung an den größten Goldhandelsplätzen der Welt
  • Sicherheit durch Diversifikation: Nicht alle Eier in einen Korb legen

Eine ähnliche Argumentation verfolgt die Österreichische Nationalbank:

  • Liquidität: In London kann Gold schnell in andere Währungen umgetauscht werden.
  • Sicherheit durch Verteilung: Mehrere Lagerorte bieten Schutz vor regionalen Krisen.
  • Handlungsfähigkeit: In internationalen Notlagen ist es oft entscheidend, Gold direkt vor Ort verfügbar zu haben.

Kostenfrage: Goldlagerung zum Nulltarif?

Ein weiterer Aspekt: Die Fed in New York verlangt keine Gebühren für die Lagerung. In London fällt lediglich eine geringe Jahresgebühr an. In Frankfurt hingegen entstehen laufende Kosten für Sicherheitsmaßnahmen und Infrastruktur.

Risiken der Rückführung

Ein Totalabzug wäre nicht nur teuer, sondern auch riskant:

  • Transport großer Mengen Gold ist logistisch aufwendig
  • Gefahr durch politische Missverständnisse: Signal des Misstrauens
  • Verlust internationaler Handlungsfähigkeit

Warum gerade jetzt die Debatte neu aufflammt

Die politische Großwetterlage hat sich allerdings verändert. Trumps Kurs wird unberechenbarer. Handelskonflikte zwischen EU und USA nehmen zu. Und Zweifel an internationalen Institutionen wachsen.

Symbolkraft des Goldes für Bürgerinnen und Bürger

Für viele Menschen in Deutschland und Österreich ist das Gold ein Symbol für Sicherheit – ein „eiserner Notgroschen“, der im Krisenfall greifbar sein muss. Der Gedanke, dass dieser Schatz am anderen Ende der Welt lagert, sorgt für Unbehagen. Auch in Österreich gilt der alte Grundsatz: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser. Denn die Lagerung im Inland vermittelt Sicherheit – gerade in unruhigen Zeiten. Und das Bewusstsein in der Bevölkerung wächst: Gold gehört ins eigene Land – oder wenigstens unter eigene Kontrolle.

Wenn sich die internationale Lage weiter zuspitzt, könnte auch in Österreich die Diskussion um eine 100-Prozent-Heimholung neu aufflammen. Noch aber ist die Stimmung: vorsichtig, aber gelassen.

Argumente der Befürworter einer Heimholung

Die Gegner der Auslandsverwahrung bringen klare Argumente vor:

  • Kein direkter Zugriff im Notfall
  • Unsicherheit über den Zustand der Bestände
  • Politische Abhängigkeit von den USA

Die Bundesbank setzt auf Transparenz

Um Vertrauen zu schaffen, veröffentlichen die Bundesbank und die meisten anderen Nationalbanken der Eurozone regelmäßig Listen mit Seriennummern, Gewicht und Feingehalt der Barren. Zudem finden regelmäßige physische Prüfungen durch eigene Mitarbeiter statt.

Fazit: Debatte mit Symbolkraft – aber ohne schnelle Lösung

Die Frage, ob Deutschland oder auch Österreich ihre Gold vollständig zurückholen sollte, wird uns noch lange beschäftigen. Aktuell überwiegt bei der Bundesbank in Deutschland die Strategie der Streuung und des guten Glaubens. Doch der Ruf aus der Bevölkerung ist klar:

  • Wir wollen unser Gold in Reichweite wissen.
  • Wir wollen Sicherheit ohne Wenn und Aber.
  • Und wir wollen: Maximale Kontrolle über unser Gold.

In stürmischen Zeiten wie diesen ist eines sicher: Edelmetalle stehen sinnbildlich für Vertrauen. Und genau dieses Vertrauen wird derzeit auf eine harte Probe gestellt.

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