Hintergrund zur Gold-Rally: So entsteht der Goldpreis

Der Goldpreis entsteht durch den Goldhandel an verschiedenen globalen Marktplätzen und wird von Angebot, Nachfrage und Spekulation beeinflusst // Bildnachweis: Goldreporter.de.

Goldpreis auf Rekordhoch

Vergangene Woche hat der Goldpreis erstmals die Marke von 3.000 US-Dollar überschritten. In unserer Währung erreichte der Goldpreis am 20. Februar 2025 mit 2.848 Euro sein bisheriges Rekordhoch (Basis: US-Futures).

Seit 1970 verteuerte sich das Edelmetall pro Jahr um durchschnittlich 8 Prozent. Und dank der anhaltenden staatlichen Verschuldungsorgie ist vorläufig kein Ende der Gold-Rally in Sicht. Denn genau genommen steigt nicht der Goldpreis, sondern die Währungen werten kontinuierlich gegenüber Gold ab.

Aber wie kommt der Goldpreis in der Praxis zustande? Dazu liefere ich Ihnen einige Hintergrundinformationen.

Keine historischen Daten vorhanden

Vielfalt der Goldpreisbildung

Der Goldpreis ist das Ergebnis von Handelsaktivitäten an verschiedenen globalen Märkten. Die wichtigsten Handelsplätze sind der London Bullion Market (LBMA) und die COMEX, eine Abteilung der New York Mercantile Exchange (NYMEX). In den letzten Jahren hat die Shanghai Gold Exchange (SGE) an Bedeutung gewonnen.

Einen einheitlichen Goldpreis gibt es nicht, da die täglich beobachteten Kursdaten aus Preisstellungen verschiedener Märkte resultieren. Neben den klassischen Börsenplätzen beeinflusst auch der Devisenmarkt (FOREX) den Preis. Dort wird Gold seit 1972 wie eine Währung gehandelt. Unter dem Kürzel XAU wird das Währungspaar Gold/US-Dollar gehandelt – ein rein buchhalterischer Handel ohne physischen Goldtransfer.

Zusätzlich veröffentlichen viele Broker Spot-Kurse, die sich aus den Handelsaktivitäten ihrer Kunden ergeben. Dazu zählen Anbieter wie Kitco (USA), BullionVault (England) und zahlreiche Goldhandelsbanken weltweit. Diese Preisindikationen unterscheiden sich in normalen Zeiten nur geringfügig, da Arbitragehändler selbst kleinste Kursdifferenzen ausnutzen. Dadurch gleichen sich die Preise an den verschiedenen Märkten an.

Spotmarkt: Gold zur sofortigen Lieferung

Der Spot-Preis wird durch das aktuelle Angebot und die Nachfrage nach physischem Gold bestimmt. Der größte Handel findet zwischen so genannten Bullion-Banken statt. Dazu gehören Institute wie JP Morgan, Bank of America, Citibank, Barclays oder HSBC. Diese Banken handeln im Auftrag von Produzenten, Fonds oder Notenbanken, teilweise aber auch auf eigene Rechnung.

Der London Bullion Market ist der wichtigste Handelsplatz für physisches Gold. Seit dem 16. April 2016 ermittelt auch die Shanghai Gold Exchange einen in Yuan notierten Referenzpreis. Der Londoner Goldpreis, der früher im Rahmen des Gold-Fixings von Großbanken festgelegt wurde, wird seit 2015 über ein elektronisches System auf Basis realer Transaktionen bestimmt. Trotz vergangener Manipulationsvorwürfe bleibt der Londoner Preis eine wichtige Orientierung für den globalen Goldhandel.

Terminhandel: Gold für zukünftige Lieferungen

Am Terminmarkt werden Verträge über die zukünftige Lieferung von Gold gehandelt. Die wichtigste Warenterminbörse ist die COMEX in New York. Hier werden sogenannte Goldderivate gehandelt, die auch als „Papiergold“ bezeichnet werden. Diese verbriefen nur einen Anspruch auf Gold, ohne dass in den meisten Fällen tatsächlich physisches Gold bewegt wird.

Es gibt zwei Gruppen, die als Hauptakteure am Terminmarkt definiert sind:

  • Spekulative Investoren („Non-Commercials“), die meist Trends folgen, um Gewinne zu erzielen, und
  • Kommerzielle Händler („Commercials“), die Gold als Teil ihres Kerngeschäfts handeln. Letztere nutzen Termingeschäfte zur Absicherung gegen steigende Goldpreise oder als Gegengeschäfte zu Kundenaufträgen.

Der Handel mit Futures erfordert, neben einigen Gebühren, nur den Einsatz einer Sicherheitsleistung („Margin“), die einem Bruchteil des gehandelten Warenwertes entspricht.

Dagegen verleihen Optionen das Recht, Gold zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen – ohne Verpflichtung zur Ausführung.

Einfluss des Terminhandels

Obwohl am Terminmarkt kaum physisches Gold bewegt wird, hat dieser Handel einen starken Einfluss auf den Goldpreis. Auslaufende Lieferkontrakte werden meist vor Fälligkeit durch neue Verträge ersetzt („glattgestellt“) oder in neue Kontrakte überführt („gerollt“).

Vergleich der wichtigsten Handelsplätze

Wie viel Gold wird täglich gehandelt? Laut World Gold Council (WGC) wurde im Februar 2025 weltweit Gold im Wert von rund 300 Milliarden US-Dollar gehandelt. Dabei handelt es sich sowohl um rein physischen Handel, aber vor allem um Papiergold (vor allem Futures, Optionen, ETFs). Damit übertrifft der Wert sogar das Handelsvolumen von US-Staatsanleihen (rund 180 Mrd. USD). In einem Vergleich des WGC wird Gold nur vom Aktienhandel am US-Börsenindex S&P 500 geschlagen, um etwa ein Drittel.

Hier eine Übersicht der größten Goldhandelsplätze weltweit und das tägliche Goldhandelsvolumen (Monatsdurchschnitt 2024, gerundet)*

  • COMEX, Gold Futures (Papiergold): 27 Millionen Unzen (840 Tonnen)
  • London Bullion Market (physisch, OTC): 17,5 Millionen Unzen (540 Tonnen)
  • Shanghai Futures Exchange (Papiergold): 10 Millionen Unzen (313 Tonnen)
  • Shanghai Gold Exchange (physisch): 1 Million Unzen (32 Tonnen)
  • Gold-ETFs weltweit (Papiergold): 1,6 Millionen Unzen (51 Tonnen); davon entfällt allein die Hälfte auf den größten Gold-ETF: den SPDR Gold Shares Gold ETF (0,8 Millionen Unzen bzw. 25 Tonnen).

*Angaben laut Börsenbetreiber/Berechnung: Goldreporter

Hinzu kommen eine Vielzahl weiterer Wertpapier-Produkte, die sich an den Goldpreis anlehnen, wie Fonds oder Zertifikate.

Der London Bullion Market ist keine klassische Börse, da der Handel „OTC“ (Over-the-Counter) direkt zwischen zwei Parteien stattfindet. Auch Zentralbanken handeln auf diese Weise. Das heißt, diese Transaktionen wirken sich nicht unmittelbar auf die internationale Preisbildung aus. Ein Preiseffekt kann sich auf dieser Ebene aber mit der Bekanntgabe großer Transaktionen ergeben, auf die die Börsen reagieren.

Preisbildung und Arbitrage

Der Terminhandel dominiert das Handelsvolumen gegenüber dem physischen Spotmarkt. Goldderivate wie Futures, Optionen, Zertifikate und ETFs werden häufig auch durch Positionen in den Primärmärkten abgesichert und beeinflussen ebenfalls den Goldpreis.

Arbitragehandel sorgt dafür, dass Preisdifferenzen zwischen den verschiedenen Märkten ausgeglichen werden. Da an den Börsen vor allem die Zukunft gehandelt wird, geben die Preise am Terminmarkt in der Regel die Richtung der Spot-Preise vor.

Arbitrage-Handel

Arbitrage-Handel nutzt Preisunterschiede zwischen Märkten aus. Beim Goldpreis bedeutet das: Ist Gold beispielsweise in London günstiger als in New York, kaufen Händler dort und verkaufen es teurer in New York. Diese Käufe treiben den Londoner Preis nach oben, Verkäufe drücken den Preis in New York. So gleichen sich die Preise an. Arbitrage sorgt also für eine einheitlichere Goldpreis-Bildung weltweit und verhindert extreme Unterschiede. Digitale Märkte und schnelle Handelsalgorithmen haben den Prozess heute stark beschleunigt.

Einfluss von Angebot und Nachfrage

Trotz der Dominanz des Terminhandels kann sich der Goldpreis langfristig nicht von den Fundamentaldaten abkoppeln. Physisches Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis auf lange Sicht. Spekulanten orientieren sich an Preistrends und sind in einem Bullenmarkt in Summe „long“ positioniert. Dagegen müssen kommerzielle Händler in einem Aufwärtstrend regelmäßig ihre Short-Positionen glattstellen, mit denen sie zum Beispiel ihre Geschäfte absichern.

Die aktuellen (Netto-)Positionen der beiden Händlergruppen werden einmal in der Woche in dem sogenannten CoT-Bericht veröffentlicht (siehe Abbildung unten). Seit der Abschaffung des Gold-Dollar-Standards in den 1970er-Jahren steigt der Goldpreis langfristig. Dies zeigt sich auch im Verhalten der Marktakteure. Die “Commercials” sind in der Regel “netto-short”, die Spekulanten “netto-long”.

Im Handel Gold-Futures besteht ein Vertrag (Kontrakt) immer zwischen zwei Parteien - über die zukünftige Lieferung von Gold. Die eine geht "long" , während die andere "short" positioniert ist. Die beiden wichtigsten Händlergruppen sind die "Großen Spekulanten" und die "Commercials". In einem wöchentlichen Bericht der US-Börsenaufsicht CFTC wird veröffentlicht, wie viele Kontrakte die beiden Gruppen halten (CoT-Report).

Erkenntnisse zur Goldpreisbildung

Jede Form des Goldhandels kann den Goldkurs beeinflussen. Die Märkte sind eng miteinander verflochten. Kurzfristig gehen die stärksten Preisimpulse vom Terminhandel aus, auch manipulativer Art. Umfangreiche physische Transaktionen in London und Shanghai können den Preis ebenfalls stark beeinflussen. So gingen vor allem in der ersten Hälfte des Jahres 2024 starke Impulse von chinesischen Markt aus. Aufgrund der hohen Inlandsnachfrage wurde Gold in Shanghai bis zu 100 US-Dollar über dem westlichen Kurs gehandelt.

Langfristig bestimmen physisches Angebot und physische Nachfrage den Goldpreis. Aber der Goldmarkt reagiert immer wieder kurzfristig auf wirtschaftliche und geopolitische Ereignisse, Inflationsentwicklung und die Zentralbankpolitik.

Fazit

Der Goldpreis entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel von Angebot, Nachfrage und spekulativen Handelsaktivitäten. Während der Terminhandel kurzfristig dominiert, bleibt der physische Handel langfristig entscheidend für die Preisentwicklung. Arbitragehandel sorgt für eine Angleichung der Preise über verschiedene Märkte hinweg. Trotz immer wieder auftretender potenzieller Manipulationen und kurzfristigen Schwankungen bleibt Gold ein stabiler Wertspeicher und ein wichtiger Indikator für wirtschaftliche Entwicklungen weltweit. Die Schwäche einer Währung spiegelt sich in einem starken Goldpreis wider.

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